In den italienischen Territorien von Neapel und Mailand war im 18. Jahrhundert das Justizwesen ein zentrales Feld von Reformbestrebungen, mit denen die Gerichte stärker in den Machtbereich der jeweiligen Territorialfürsten integriert werden sollten. Anhand von je drei Reformvorhaben zeichnet Band 354 der Studien zur europäischen Rechtsgeschichte die institutionellen Veränderungen von Gerichten nach. Er rekonstruiert diese Reformen als historisch offene Aushandlungsprozesse und eröffnet damit einen neuen Blick, der der Vielschichtigkeit dieser Prozesse Rechnung trägt. Die Untersuchung zeigt, dass diese Justizreformen nicht das Werk einzelner „aufgeklärter“ Herrscher waren, sondern Ausdruck eines institutionellen und gesellschaftlichen Ringens unterschiedlicher Akteure um Macht und Einfluss auf die Gerichte.